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Die Wahrnehmung einer Ausstellung. Das Beispiel vom Musée du quai Branly – Jacques Chirac

Ex Africa, afrikanische Einflüsse in der Kunst von heute: das Musée du quai Branly – Jacques Chirac hat L’Oeil du Public zu einer Studie über die Wahrnehmung der Ausstellung beauftragt.

Nach einer ersten Image- und Bekanntheitsstudie, die 2019 durchgeführt worden war, hat das Musée du quai Branly – Jacques Chirac L’Oeil du Public erneut sein Vertrauen geschenkt und mit einer Wahrnehmungsanalyse der Ausstellung Ex Africa betraut. Ein qualitativer Ansatz vor Ort ermöglichte es uns, Weg und Wahrnehmungen der Besucher dieser mit Spannung erwarteten Ausstellung im Detail zu untersuchen.

Eine Ausstellung mit 150 Werken, 34 zeitgenössischen Künstlern und einer ästhetischen und politischen Aussage

Die Ausstellung, vom 19. Mai bis 11. Juli wurde durch die Coronakrise verkürzt. Sie hinterfragte die ambivalente Verbindung, die seit Ende des 20. Jahrhunderts zwischen der zeitgenössischen Kunst und der alten afrikanischen Kunst besteht. Die Ausstellung, die sich um vier Räume gruppierte, versuchte zu dekonstruieren, um die Art und Weise, wie diese Kunst betrachtet wird, besser zu rekonstruieren. Zu diesem Zweck wurde zunächst der Begriff des Primitivismus und die ihm zugrunde liegenden historischen, sozialen und politischen Fragen hinterfragt. Darauf ebenso die Art und Weise, wie sich der Westen diese Künste angeeignet hat, indem er ihre ursprüngliche Bedeutung verfälschte. So zeigte die Ausstellung auf, wie diese Objekte zu Dekorationsobjekten oder Handelswaren reduziert werden konnten. Schliesslich zeigte sich, wie ihr Erbe heute mehr denn je im zeitgenössischen Schaffen präsent ist. Die gezeigten Werke repräsentierten eine aussergewöhnliche Vielfalt an künstlerischen Sprachen (Malerei, Skulptur, Fotografie, Zeichnung, Video und Installation). Darunter waren auch drei Werke, die vom Museum in Auftrag gegeben wurden und vor Ort entstanden waren. Das Museum bekräftigte damit sein Vorhaben, sich der zeitgenössischen Kunst zu öffnen.

Den Besuchern standen verschiedene Medien zur Verfügung: Audioguide, Faltblatt, Tasttisch, Videos, Saalzettel, eine Playlist auf Deezer – in Zusammenarbeit mit einem Musikethnologen entstanden – und «Blitzbesuche» mit einem Dozenten.

Ausstellung Ex Africa, Musée du quai Branly – Jacques Chirac, Paris. 19.5.-11.7. 2021.

Die umfangreichen qualitativen Daten zeugen von der Bedeutung der Ausstellung und den von ihr aufgeworfenen Fragen.

Ziel der Studie war es, die Wege der Besucher sowohl auf der intellektuellen als auch auf der emotionalen Ebene zu entschlüsseln und damit einerseits die Wertschätzung der ästhetischen Erfahrung und andererseits die Art und Weise zu erfassen, in der sich jeder Einzelne die Ausstellung und die von ihr aufgeworfenen politischen Fragen aneignet.

Zu diesem Zweck wurden folgende Werkzeuge angewandt:

  • Rund zwanzig Einzelinterviews von je einer Stunde, die von L’Oeil du Public persönlich und vor Ort geführt wurden
  • Eine zweieinhalbstündige Fokusgruppe mit einem gemeinsamen neuen Besuch der Ausstellung.

Eine anschliessende inhaltliche semiologische Analyse und die Identifizierung der hervorstechenden und wiederkehrenden Elemente ermöglichten es dem für die qualitativen Studien zuständigen Team von L’Oeil du Public, die Gründe und Motivationen für den Besuch, die Besucherprofile und die damit verbundenen Interpretationen sowie die verschiedenen Verständnisebenen des Diskurses und der Wahrnehmung der Vermittlungs- und Kommunikationselemente zu bestimmen.

Schliesslich wurde eine Reflexion über die Auswirkungen der Ausstellung auf die Wahrnehmung des Museums, seine Positionierung und seine Aufgaben durchgeführt.

Die Vorteile einer solchen Studie sind für das Museum vielfältig: Sie ermöglicht es, den Erfolg der Ausstellung zu bewerten, die verfügbaren Daten über die Besucher zu ergänzen und mehr über die Wahrnehmung des Publikums zu wissen – ein wesentlicher Aspekt für das Verständnis des Publikums und die Analyse der Publikumsmassnahmen des Museums.

Pauline Bellec

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